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Vier Fragen an Samira El Ouassil und Friedemann Karig


Vier Fragen an Samira El Ouassil und Friedemann Karig

Ein Buch, vier Fragen – Samira El Ouassil und Friedemann Karig über „Erzählende Affen“ (Ullstein Verlag):

Worum geht es in „Erzählende Affen“?

Eine Geschichte des Geschichtenerzählens – von Homer bis Hollywood, von Shakespeare bis zur Klimakrise.

Warum schreiben Sie über dieses Thema?

Der Mensch denkt in Geschichten, er kann gar nicht anders. Deshalb wird unsere ganze Welt von ihnen zusammengehalten. Wie wir leben, lieben, wie wir Macht und Reichtum organisieren: Erzählungen strukturieren und hierarchisieren. Höchste Zeit, ihre inneren Wirkmechanismen, ihre Feindbilder und Abgründe zu reflektieren. Und über neue Narrative nachzudenken, die die Zerstörung der Welt aufhalten können.

An welche Leser*innen haben Sie beim Schreiben gedacht?

Wir haben an niemanden konkret gedacht, aber unsere Eltern und Freund:innen sollten Spaß beim Lesen haben, und die langweiligen sich immer recht schnell. Man will ja später im eigenen Umfeld über das Buch sprechen können. 

Welche eindrückliche Begegnung hatten Sie beim Schreiben des Buchs?

Eine geschilderte Erfahrung mit dem Buch, an die ich (Samira) häufig denken muss: der Bericht einer Frau, die mit erzählte, wie sie sich von ihrer Familie entfremdet hatte, weil diese nicht über die eigene NS-Vergangenheit sprechen wollten und Kommunikationslosigkeit der Modus der innerfamiliären Verdrängung wurde; nach zehn Jahren hat sie wieder Kontakt mit ihren Eltern aufgenommen, um sie zu überreden das Buch zu lesen. Danach hat sie mit ihnen die eigene Familienerzählung und Selbstlüge aufgearbeitet. Es sei ein schmerzhafter Prozess gewesen, aber sie ist überglücklich, die Eltern wieder in ihrem Leben zu haben und das Buch, so sagte sie mir, sei ihr „call to action“ gewesen.


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