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#sachbuchpreisbloggen „Der Schlüssel würde noch passen“ von Irina Scherbakowa


#sachbuchpreisbloggen „Der Schlüssel würde noch passen“ von Irina Scherbakowa

Victoria Braunschweig, lesestress

Ich bin diesem Buch noch eine Rezension schuldig, die ich heute gern begleichen möchte: »Der Schlüssel würde noch passen« war für den diesjährigen @deutschersachbuchpreis nominiert und ich habe es im Rahmen des #sachbuchpreisbloggen mit großem Gewinn gelesen – nur um dann krankheitsbedingt alles andere als Rezensionen im Kopf zu haben. Dass dieser Beitrag deshalb so spät kommt, tut mir leid. Bevor heute Abend jedoch der @buchpreis vergeben wird, möchte ich mein Soll noch erfüllen. Und vielleicht ist das ja auch ein schöner Anlass, dieses wichtige Buch noch einmal ins Gedächtnis zu rufen: Bücher haben schließlich kein MHD; sie können auch Monate später entdeckt, gelesen und weiterempfohlen werden – versteht das bitte als Aufforderung! 
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Irina Scherbakowa nimmt uns in ihren »Moskauer Erinnerungen« mit auf eine persönliche Reise durch die jüngere russische Geschichte. Als Historikerin kennt sie die großen Zusammenhänge, erzählt jedoch immer wieder ausgehend von ihren eigenen Erinnerungen, Begegnungen und Erlebnissen. Das macht die Lektüre so unmittelbar. Fast hatte ich das Gefühl, mit ihr auf der Couch zu sitzen und bei Kaffee und Kuchen einem klugen, oft ernsten, aber überraschend persönlichen Gespräch zu lauschen: Von der Sowjetunion über deren Zerfall bis ins heutige Russland entfaltet die gebürtige Moskauerin ein vielschichtiges Panorama. Private Geschichten stehen neben historischen Entwicklungen, persönliche Erfahrungen neben politischen Umbrüchen. Dieses Nebeneinander verdeutlicht, wie Geschichte in den Alltag hineinwirkt und wie wenig sich Vergangenheit und Gegenwart voneinander trennen lassen.

Besonders eindrücklich wird dies, wenn Scherbakowa den Bogen bis zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine spannt. Was zunächst wie ein Blick zurück erscheint, wird zunehmend zu einer Erklärung der Gegenwart – während sie zugleich von ihrer eigenen Flucht aus Russland erzählt. Ihre jahrzehntelange Arbeit für Memorial, das sich der Aufarbeitung sowjetischer Repressionen widmet, machte sie selbst zur Betroffenen eines politischen Systems, das Erinnerung zunehmend kontrolliert, Geschichte umdeutet und kritische Stimmen zum Schweigen bringt. »Der Schlüssel würde noch passen« ist damit weit mehr als ein persönlicher Rückblick auf ein bewegtes Leben: Es ist ein Buch über Erinnerung und Verdrängung, über politische Verantwortung und darüber, wie Vergangenheit fortwirkt und unsere Gegenwart aktiv beeinflusst. Scherbakowa erzählt Geschichte dabei nicht nur, sondern macht sie ihren Leser:innen durch Menschen, Orte und Erlebnisse unmittelbar erfahrbar.
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Wenngleich die Autorin lange vor ihrem Exil intensiv als Übersetzerin deutscher (DDR-)Literatur und Belletristik arbeitete, hat sie »Der Schlüssel würde noch passen: Moskauer Erinnerungen« auf Russisch verfasst. Für die deutschsprachige Ausgabe wurde das Manuskript von Jennie Seitz und Ruth Altenhofer ins Deutsche übersetzt.
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Irina Scherbakowa ist eine beeindruckende Frau mit einer wichtigen Stimme – wenig überraschend, dass sie gemeinsam mit ihren Memorial-Mitstreiter:innen 2022 den Friedensnobelpreis erhielt. Nach dieser Lektüre kann ich nur sagen: unbedingte Leseempfehlung!

Der Originalbeitrag von Victoria Braunschweig ist auf Instagram erschienen.
 


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