© Doro Zinn
In „Der Schlüssel würde noch passen“ erzählt Irina Scherbakowa von den kurzen Jahren der Perestroika. Sie berichtet vom Alltag und vom politischen Aufbruch in Moskau und auf dem Land zu Beginn 1990er-Jahre. Sie beschreibt die ungewohnte Freiheit und wie die Menschen mehr schlecht als recht damit umzugehen lernten. Scherbakowas Thema ist auch ihre bis heute andauernde aktive politische Tätigkeit und das scheinbar unaufhaltsame Abgleiten Russlands in die Diktatur. Ihre beeindruckenden Moskauer Erinnerungen sind dicht verwoben mit der Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert und ihrem lebenslangen Kampf gegen Staatsterror und für die Erinnerung.
Viele Menschen verbinden mit Russland gerade vor allem Wladimir Putin und Krieg. Das Buch von Irina Scherbakowa ist deshalb so grandios, weil es uns Russland nah bringt, auf eine persönliche, spannende, kenntnisreiche Weise. Scherbakowa, eine der wenigen verbliebenen Stimmen der russischen Opposition, verbindet russische Geschichte der letzten 100 Jahre mit persönlichen Erlebnissen, Arbeitserfahrungen und einem großen Fundus einzigartiger Anekdoten. Die Erzählung aus Moskau endet 2022, als selbst die resolute, ihre Heimat über alles liebende Autorin aus ihrem Land gedrängt wird. Scherbakowa zitiert: „In der dunkelsten Stunde kann man hoffen, selbst wenn man nicht weiß, worauf.“ Dieses Buch, mit all den mutigen großen und kleinen Menschen, die darin vorkommen, ist nicht nur großartig geschrieben. Es macht Hoffnung.
Irina Scherbakowa, geboren 1949 in Moskau, ist eine Historikerin und Publizistin. Sie arbeitete als Redakteurin und Übersetzerin deutscher Literatur. Seit Anfang der 1980er Jahre führte sie Gespräche mit GULAG-Überlebenden und leitete ab Gründung von Memorial (1989) die Bildungsarbeit der russischen Menschenrechtsorganisation. 2021 liquidierte das Putin-Regime die NGO, 2022 erhielt Memorial gemeinsam mit einer ukrainischen und einer belarussischen Organisation den Friedensnobelpreis. Im selben Jahr verließ Scherbakowa ihr Heimatland und lebt heute in Berlin und Tel Aviv. Sie ist Vorstandvorsitzende der in Berlin gegründeten Exilorganisation Zukunft Memorial, gehört dem Kuratorium der Gedenkstätte Buchenwald an und ist Ehrenmitglied des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung Berlin.
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