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Rückkehr in ein fremdes Zuhause: Als Heike Behrend nach langjähriger ethnografischer Forschung in Afrika in der Nachwendezeit das Haus ihres Großvaters besucht, stößt sie am Arendsee überraschend auf den christlichen Propheten Gustaf Nagel. 1874 im Kaiserreich geboren, starb er 1952 in einer Irrenanstalt in der DDR. Als Teil der Lebensreformbewegung war der deutschnationale Prophet sein Leben lang vielfältiger Verfolgung ausgesetzt. Heike Behrend erzählt hier eine verblüffende Lebensgeschichte – und von der Wiederentdeckung einer Heimat, an die sie viele Fragen stellt, die auch von woanders herkommen: Sie versucht, ihre eigenen Versuche infrage stellend, die Altmark von Afrika aus zu denken.
Die Suche nach Antworten in Zeiten gesellschaftlicher Unsicherheit ist ein wiederkehrender Reflex. Mit ihrem Buch über Gustaf Nagel, der um 1900 vermeintliche Orientierung bot, rückt Heike Behrend eine schillernde Figur der Zeit ins Zentrum. Nagels Nähe zur Lebensreformbewegung zog viele Menschen an – nicht zuletzt, weil er sich über Postkarten und Fotografien, die Massenmedien seiner Zeit, geschickt selbst inszenierte. Ihre Perspektive als Ethnologin markiert Behrend nicht als Defizit, sondern bringt diese etwa in den Dialog mit der Historikerin Christine Meyer produktiv ein. So entsteht eine ebenso kluge wie gut lesbare Analyse, die zeigt, wie Krisenerfahrungen, Orientierungssehnsucht, alternative Lebensentwürfe, Medieninszenierung und Heimatdiskurse ineinandergreifen.
Heike Behrend, 1947 in Stralsund geboren, übersiedelte mit ihrer Familie 1953 nach Westdeutschland, wo sie aufwuchs und in München und Berlin Ethnologie und Religionswissenschaft studierte. Sie arbeitete ethnografisch vor allem in Ostafrika, unterrichtete an verschiedenen Universitäten im In- und Ausland und lebt heute in Berlin. Ihr Buch „Menschwerdung eines Affen“ wurde ausgezeichnet mit dem Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse 2021 und war nominiert für den Deutschen Sachbuchpreis.
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