© Asja Caspari
Thomas Mann ist der literarische Magier des zwanzigsten Jahrhunderts: Nobelpreisträger und gefeiertes Genie, Großbürger und Familienvater, mit seiner Frau Katia in jahrzehntelanger Ehe verbunden und zugleich so unglücklich, wie man nur sein kann. Er liebt und darf nicht lieben, die Vorstellungen seiner Zeit stehen ihm im Weg. Was für ein Antrieb zu großer Literatur – und was für ein leidvolles Leben. Seit seinem frühen Welterfolg mit den „Buddenbrooks“ und zwei Jahrzehnte später mit dem „Zauberberg“ öffnen sich ihm alle Türen, bis hin zu der im Weißen Haus. Keine deutsche Stimme kämpft so hörbar gegen Hitler wie seine, kein anderer häuft Ehrungen auf sich wie er. Seine Frau Katia und seine sechs Kinder umringen ihn dabei wie eine Festung. Doch der Abgrund ist immer nur einen Schritt entfernt.
Noch eine Biografie über Thomas Mann? Überraschenderweise lautet die Antwort eindeutig ja. Tilmann Lahme führt das Werk des Literaturnobelpreisträgers konsequent und überzeugend auf Manns lebenslange Beschäftigung mit seiner Sexualität zurück. Zwar ist es richtig, dass Aspekte dieses Themas bereits diskutiert worden sind. Umso erstaunlicher erscheint der Umstand, dass Lahme zahlreiche neue Quellen erschließt, die mitunter schon bekannt waren, aber einer genaueren Untersuchung bisher nicht unterzogen wurden. Hinzu kommt die bestechende Eleganz, mit der das Buch geschrieben ist. Lahme hält das Gleichgewicht zwischen empathischer Nähe und kritischer Distanz zu seinem Gegenstand auf vorbildliche Weise und schafft so ein umfassendes Bild des schillerndsten deutschen Schriftstellers des 20. Jahrhunderts.
Tilmann Lahme, geboren 1974, ist Literaturhistoriker und Autor. Er arbeitete u. a. als Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und lehrte auf einer Professur für Literaturwissenschaft an der Universität Lüneburg. Lahme ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen über die Familie Mann, darunter eine Biografie von Golo Mann (2009) und der Bestseller „Die Manns. Geschichte einer Familie“ (2015).
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