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#sachbuchpreisbloggen: Andreas Kossert „Flucht“

#sachbuchpreisbloggen: Andreas Kossert „Flucht“

Sascha Thoma, Koreander

Sascha Thoma (Koreander) hat „Flucht“ von Andreas Kossert (Siedler) rezensiert. Er sieht das Buch als absolute Pflichtlektüre und Auffordern zum Handeln:

Der Historiker Andreas Kossert hat mit Flucht. Eine Menschheitsgeschichte ein Standardwerk und den Lackmustest für Empathie, Demokratie und Menschenrechte vorgelegt. Nominiert für den Deutschen Sachbuchpreis 2021, ausgezeichnet mit dem NDR Kultur Sachbuchpreis 2020 und mit dem Preis für „Das politische Buch“ 2021 der Friedrich-Ebert-Stiftung. Und dem Thema des Deutschen Sachbuchpreises folgend „Lesen.Denken.Reden.“, kann kein Weg daran vorbei gehen, dass Kossert auch mit dem Deutschen Sachbuchpreis ausgezeichnet wird. Warum das so ist, lest Ihr im folgenden Feature.

Deutsche Zustände

„Die Flüchtlinge, die es durch Sahara und Mittelmeer schaffen, sind gerade nicht die, die Hilfe am dringendsten brauchen. Und auch nicht die, die am besten zu integrieren sind. Daher müssen wir endlich in Afrika auswählen, wer zu uns kommen darf“, so Kristina Schröder, ehemalige Bundesfamilienministerin und heutige Stichwortgeberin der Neuen Rechten. „Absaufen, absaufen, absaufen“, skandieren die Menschenfeinde von Pegida. „Wir müssen die Grenzen dicht machen und dann die grausamen Bilder aushalten“, sekundiert Alexander Gauland im Geiste von Himmlers Posener Rede. „Wir sind nicht das Weltsozialamt”, propagiert die CSU auf einem Wahlplakat im Einklang mit den Rechtsextremisten von AfD und NPD. Und Horst Seehofer, heutiger Heimatminister, ruft zu den Waffen: „Wogegen wir größte Vorbehalte und Bedenken haben, und da werden wir uns in der Berliner Koalition sträuben bis zur letzten Patrone, […] dass wir eine Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme bekommen.” „Asyl-Lawine aus dem Kosovo” hetzt die Bild. „Asyl-Tourismus“ heißt es unisono aus CDU und CSU, „Anti-Abschiebe-Industrie“ raunt Letztere. “Ich sehe den Herrn Lübcke als Volksverräter. Wer seinem eigenen Volk empfiehlt, auszureisen, wenn ihm die Flüchtlingspolitik nicht passt, das ist für mich ein Volksverräter”, bekennt das Volk. Der nationalistische Chauvinismus hat einen Hauptfeind ausgemacht: Flüchtlinge. Hierauf können sich Populisten aller Parteien mit den besorgten Bürgern einigen.

Versuchen Sie zu erraten, wer ich bin! Ich bin mehr in den Medien als Donald Trump und seine Tweets, Erdogan und seine Demokratie, Putin und seine Politik. Ich war der Hauptgrund für das Scheitern der Regierungsbildung in Deutschland und für die Erstarkung der Rechten in Europa. Ich bin die große Sorge vieler Bürger in diesem Land, denn ich bin gefährlicher als Altersarmut, Misshandlungen in den Familien, Umweltverschmutzung, Drogenkonsum, Klimawandel, Mangel an Pflegekräften und Erzieher. …

Habt ihr mich erkannt? Ich bin die Flüchtlinge!

Und es ist kein grammatikalischer Fehler aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse. Ich bin die Flüchtlinge! Und zwar alle Flüchtlinge. Ich bin kein Arzt, kein Jurist, weder Bauer noch Journalist, kein Künstler, kein Verkäufer, weder Taxifahrer noch Lehrer, sondern die Flüchtlinge. …

Es sind solche Zitate, solch Binnenperspektiven von Flüchtlingen, hier ein Leserbrief von Vinda Gouma, Juristin aus Syrien, die den besonderen Wert der herausragenden Arbeit Kosserts ausmachen. Sie machen die doppelte Ausgrenzung, die doppelte Demütigung, die zigfache Angst der Geflüchteten greifbar.

Den Stimmlosen eine Stimme geben

Der Historiker schreibt hier also kein wissenschaftliches Fachbuch, sondern ein notwendiges Sachbuch, das die Schwächsten zu Wort kommen lässt, das die Gefühle und Gedanken von Außenseitern einer breiten Leserschaft präsentiert.

„Im Mittelpunkt dieses Buches stehen Flüchtlinge, die aufgrund nationaler, religiöser oder ethnischer Verfolgung ihre Heimat verlieren.“ Es geht um Individuen und nicht um entmenschlichende Kategorisierungen. „Nicht die Verantwortlichen und deren Absichten, nicht ihre Zahlenspiele und Statistiken stehen im Zentrum, sondern die Leidtragenden ihrer Entscheidungen.“ Im Interview mit Bascha Mika von der Frankfurter Rundschau wird Kossert noch deutlicher, „deswegen erzähle ich in meinem Buch die einzelnen Schicksale konsequent aus der Perspektive der Flüchtlinge und Vertriebenen. Ich will die Ungeheuerlichkeit dieser Zäsur und der damit verbundenen Erlebnisse für die Einzelnen ins Zentrum rücken und ihre Geschichten damit der Anonymität entreißen.“

Auch wenn es keine wissenschaftliche Arbeit ist und eine theoretische Einordnung häufig fehlt, so hat sie doch auch ihren wissenschaftlichen Wert. Ist es schließlich eine profunde Materialsammlung, eine empirische Basis, die als Veranschaulichung dienen kann.

Flucht und Vertreibung

Das Buch gliedert sich in zwei große Abschnitte. In „Jeder kann Morgen ein Flüchtling sein“, der die „endlose Geschichte der Flucht“ skizziert und damit die Menschheitsgeschichte eben aus der Perspektive von Flucht und Vertreibung erzählt. Natürlich unterscheidet sich dabei die Zeitlinie nicht wesentlich von bisherigen Erzählungen. Stehen doch Kriege und euphemistisch Eroberer und Staatenlenker im Mittelpunkt der Geschichtsschreibung, welche letztlich Hauptursache für Fluchtbewegungen sind. Kosserts überfällige Perspektivenkorrektur rückt das Leid sogenannter Kollateralschäden in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Schnell zeigt sich, dass keine Gesellschaftsformation von Flucht und Vertreibung verschont geblieben ist. Sei es als selbst Flüchtende oder als Vertreibende – meist beides.

Und obwohl den Großteil des Buches Beschreibungen und Selbstzeugnisse einnehmen, fehlt es nicht gänzlich an Einordnungen und impliziten Verweisen an die einschlägige Literatur. „Kaum etwas steht so sehr für die dunkle Seite der Moderne wie die Vorstellung ethnischer Reinheit.“ Das erinnert nicht zuletzt an die Dialektik der Aufklärung von Horkheimer und Adorno. Leider geizt Kossert nicht nur im Textteil mit Verweisen auf theoretische Auseinandersetzungen beispielsweise der Soziologie, auch das ansonsten äußerst umfangreiche Literaturverzeichnis hilft hierbei nicht weiter. Eine gewisse Theoriearmut muss man konstatieren.

Während also im Innern der westlichen Staaten das Narrativ von Aufklärung, Wissenschaft, Humanismus und universellen Werten demonstrativ vertreten wird, hielten und halten viele auch heute noch, „ungeachtet dieser Gewalt … die sogenannten ethnischen Säuberungen für ein angemessenes Mittel zur Entflechtung von Konfliktherden.“ „Vertreibungen sind friedensstiftend“ so die Botschaft. In Zeiten von Auseinandersetzungen, Umbrüchen und schwierigen Phasen blühen Nationalismus und Rassismus.

Daß die Angehörigen mächtiger Sozialformationen, wenn Ihnen die Macht entgleitet, zum Kampf bereit sind und daß ihnen häufig kein Mittel zu grob und barbarisch ist, liegt daran, daß ihre Macht und ihr Bild von sich selbst als einer großen und großartigen Formation einen höheren Wert für sie hat als nahezu alles andere; es wiegt für sie oft schwerer als das eigene Leben.

- Norbert Elias. Studien über die Deutschen.

Opfer dieser Kämpfe werden Menschen, die, egal woher sie kommen, egal auf welchem Kontinent das Furchtbare sich ereignet, unschuldig ihrer Heimat, ihrer Vergangenheit und häufig auch ihrer Zukunft entrissen werden. Es zeigt sich, dass trotz völlig unterschiedlicher Entstehungszusammenhänge viele Flüchtlinge sehr ähnliche Erfahrungen machen – Not, Terror, Angst, Misstrauen, Feindseligkeit, Entmenschlichung, Verlust, Ausweglosigkeit, unerträglicher Schmerz und Traumata.

Oft ist das Erlebte nicht einmal in Worte zu fassen, weshalb Kossert auch auf eher ungewöhnliche Materialien zurückgreift. Briefe, Tagebücher, Notizen, aber auch Romane, autobiografische Erzählungen und Gedichte. Schriftsteller können verbalisieren, was anderen nicht mehr über die Lippen kommen will. Bertolt Brecht, Stefan Zweig, Amos Oz, Judith Kerr, Saša Stanišić, Jean Améry, Zbigniew Herbert oder Franz Werfel, um nur einige zu nennen, verarbeiten in Weltliteratur die Erfahrungen Vertriebener. Verdichtet in einem Sachbuch werden diese Erlebnisse zu einem Mahnmal. Allein wegen dieser Leistung, der Komprimierung individueller Schicksale in einer leicht lesbaren Form, gebührt Kossert der Deutsche Sachbuchpreis. Wobei der für einen Wissenschaftler äußerst angenehme Schreibstil nicht über die häufig schwer ertragbaren Beschreibungen hinwegtäuscht. Es ist eine gute Balance zwischen Kafkas vielbeschworenen Axt „für das gefrorene Meer in uns“ und einer die Würde wahrenden Distanz, die den erlebten Terror niemals zur Effekthascherei nutzt.

Das Jahrhundert der Vertriebenen

Im Laufe des 20. Jahrhunderts und in Folge unzähliger brutaler Kriege über die ganze Welt verteilt, müssen Abermillionen Menschen flüchten. Sätze, die leicht geschrieben und hingenommen werden. Dabei wird schnell ausgeblendet, was Flucht wirklich bedeutet. Kaum einer macht sich bewusst, dass Flüchtende weitestgehend ohnmächtig sind, über wenig Ressourcen und schon gar keine Lobby verfügen. Sie werden ausgebeutet, versklavt, erniedrigt, vergewaltigt, gefoltert und ermordet. Und das alles unter den Augen der Weltöffentlichkeit. Niemand kann heute mehr behaupten, er wüsste nicht, was auf dem Mittelmeer oder in den Lagern rund um das Mittelmeer geschieht. Nur weil man sich der kognitiven Dissonanz oder der gelebten Ignoranz und damit Unmenschlichkeit hingibt, wird einem nicht die Last und die Schuld abgenommen die Europa und Deutschland auf sich laden. Den Bumerangeffekt sozialer Prozesse hat Deutschland auch 2015 zur Kenntnis nehmen müssen.

Der Krieg in Syrien ist kein Naturereignis, , von Libyen ganz zu schweigen, sondern Ergebnis auch europäischer und deutscher Machtpolitik. Allerdings weicht Kossert diesen Zusammenhängen und Erklärungen weitestgehend aus, neigt sogar zu Simplifizierungen, die einem Konflikt niemals gerecht werden können. Was kurz als Schwachstelle in der Argumentation erscheint, ist tatsächlich eine Stärke des Buches. Indem Kossert die geopolitischen, nationalen oder ethnischen Konfliktgenesen, die zu Flucht und Vertreibung führen, weitestgehend außen vorlässt, wird noch einmal die Gemeinsamkeit der individuellen Schicksale hervorgehoben. Ganz der wissenschaftlichen Methode des Vergleichs verbunden: Absehen von Besonderheiten und Zusammensehen von Gemeinsamkeiten. Einzig die kurze Erwähnung der responsibilty to protect, die ein Umdenken der Staaten andeuten soll, erscheint fehl am Platz. Wird doch genau mit dem Label „Schutzverantwortung“ eben die Politik gerechtfertigt, die zu Vertreibungen führt.

Heimat

Den zweiten, größeren Teil des Buches nimmt der Begriff „Heimat – Von den Ambivalenzen eines Gefühls“ ein. Nun ist der Begriff Heimat bei vielen Menschen weitestgehend verbrannt, auch wenn Rechtskonservative immer wieder an einem nationalistisch aufgeladenen Wiederbelebungsversuch arbeiten. Aber mit Jean Améry lässt sich dennoch ohne weiteres konstatieren:

Man muss Heimat haben, um sie nicht nötig zu haben.

Auf diesen Heimatbegriff können sich wohl die meisten Menschen verständigen. Heimat als sicherer Hafen. Und Améry ergänzt „Die Heimat ist das Kindheits- und Jugendland.“ Sofort wird deutlich, dass genau diese Heimat zahllose Menschen nicht haben. Allen voran Flüchtlinge. Dennoch hätte der Heimatbegriff etwas mehr Differenzierung bzw. Wissenschaftlichkeit vertragen können, ist der Begriff doch letztlich eine Projektion von Wunsch- und Furchtbildern. Das ewige Herbeisehnen der verlorenen Heimat, das niemals Ankommen oder sogar das Sterben an Heimweh, sind schließlich keine anthropologischen Konstanten, sondern psychologische (Abwehr-)Mechanismen. Das erinnert an die von Norbert Elias vorgetragene Geschichte des Stammes, der bei einer Schlacht seine Burg verliert und in der Folge vor dessen Ruine campiert. Anstatt nun die Steine der Ruine für den Bau von Häusern zu verwenden, bleiben die Generationen weiterhin in Zelten lebend im Angesicht ihrer Burg, ihrer einstigen Größe.

Aber natürlich geht es Kossert um ein bestimmtes Narrativ von Flucht und Flüchtlingen durch welches Differenzierungen eingeebnet werden. Die Ostpreußische Familie, die in Niedersachsen eine neue Heimat findet, findet bei Kossert nicht statt. Das ist aber in der Gesamtschau und bezüglich des Motivs des Buches auch vollkommen in Ordnung. Würde sich das bürgerliche Gewissen doch möglicherweise allzu schnell die wenigen Erfolgsgeschichten von Flucht pars-pro-toto als Beruhigung oder gar Rechtfertigung heranziehen.

„Weggehen“, „Ankommen“, „Weiterleben“, „Erinnern“ und die Frage „Wann ist man angekommen?“ teilen den Abschnitt ein. Und hier sind es häufig die Erfahrungen der Geflüchteten mit den Alteingesessenen, die die Schwierigkeiten ausmachen. Chauvinismus, Rassismus, Hass und Verachtung schlagen ihnen vielfach entgegen.

Heimat fordern immer die, die andere nicht reinlassen. 

- Christian Petzold

Keine Gesellschaft, die nicht auf andere Menschen herabschaut und sie abwertet. Dabei werden auch die eigenen vermeintlichen Landsleute zu Außenseitern gemacht. 14 Millionen geflüchtete und vertriebene „Volksdeutsche“ nach dem Zweiten Weltkrieg mussten diese Erfahrung machen. Wer noch kurz zuvor propagandistisch zur Volksgemeinschaft gehörte, ist wenige Wochen später ein Fremder. Getreu dem abgewandelten Motto von Göring „Wer Deutscher ist, bestimme ich“, wird die „Volksolidarität“ aufgekündigt und die Ostflüchtlinge zu Invasoren deklariert.

Mit nationalen Identitäten ist es nicht weit her, sobald es an den persönlichen Wohlstand geht. Eben noch gemeinschaftlich halb Europa in Schutt und Asche gelegt, Millionen Menschen im Holocaust vernichtet, und schon will man nicht mal mehr den eigenen Landsleuten beim Überleben helfen.

Viele Deutsche fühlen sich als die wahren Opfer der NS-Herrschaft, für sie stehen Stalingrad und Dresden als Chiffren des Leids, nicht Dachau, Leningrad oder Auschwitz.

Wäre der Begriff „German Angst“ nicht bereits anderweitig pejorativ besetzt, hier würde er viel eher hingehören. Die Deutschen hegen fürchterliche Abstiegsängste, die sogar die eigenen Taten im Selbstbild ins Gegenteil verkehren lassen. Angst vor Flüchtlingen, Xenophobie, Angst vor Konsumeinbußen, Angst vor Prestige- und Statusverlust, kollektiv wie individuell, sind die Triebkräfte der Abwertung und Ausgrenzung bis hin zur menschenverachtenden Tat – oder Untat, wenn man das Wegschauen anhand der humanitären Katastrophe im und um das Mittelmeer betrachtet.

In dieser irrsinnigen Welt kann ein verirrtes Kind, selbst ein Hund, das Mitgefühl von Tausenden ansprechen, während eine Menge Menschen gleichzeitig dazu verdammt sind, vor sich hin zu vegetieren, weil wir unfähig sind, ihr besonderes Elend nachzuvollziehen.

Bilder von toten Flüchtlingen im Mittelmeer, von versklavten Jesiden im Nordirak, von verschleppten nigerianischen Mädchen oder von Entwurzelten, die in trostlosen Lagern verhungern. Eine Reaktion darauf ist der Rückzug ins Nationale.

Lesen.Denken.Reden.Handeln.

Die Ängste der Konsum- und Wohlstandsgesellschaft sind die Triebfedern der Ausgrenzung und Abwertung. Immer da wo sich Menschen bedroht fühlen, greifen bestimmte Mechanismen, zum Beispiel das Schließen der eigenen Reihen, das Aufwerten der eigenen Mitglieder bei gleichzeitigem Abwerten von Fremden, aber auch Dehumanisierung, Dämonisierung und Vernichtungsfantasien. Wenn schon Flüchtlinge kommen, dann sollen diese sich gefälligst auch assimilieren. Dass dies den kulturellen Tod bedeutet, interessiert dabei nicht. Und wenn alles nicht hilft, dann folgt die Tat. Dann wird die letzte Patrone abgefeuert. Was der eine fordert, wird schon ein anderer umsetzen.

Daher kämpfen Machteliten, herrschende Klassen oder Nationen im Namen ihrer überlegenen Werte, ihrer überlegenen Zivilisation oft mit Methoden, die den Werten, für die sie einzustehen behaupten, diametral entgegengesetzt sind. Mit dem Rücken zur Wand werden die Verfechter leicht zu den größten Zerstörern der Zivilisation. Sie werden leicht zu Barbaren.

- Norbert Elias. Studien über die Deutschen.

Dabei sind die gegenwärtigen Fluchtbewegungen lediglich eine Vorahnung dessen, was weltweit noch geschehen wird angesichts der Klimakrise. Harald Welzer hat in seinem Buch „Klimakriege“ bereits 2008 vieles von dem vorweggenommen, was Politiker und Bürgertum 2015 plötzlich überrascht. Wenn wir nicht wollen, dass wir immer und immer wieder blindlings in Krisen rutschen, bzw. diese durch unseren Lebensstil produzieren, müssen wir die Warnungen und Mahnungen ernst nehmen.

The world is full of people who left the place where they were born just to stay alive, and then die in a place where they never expected to live.

- Aleksandar Hemon

Kosserts „Flucht. Eine Menschheitsgeschichte“ muss gelesen werden. Es sollte Pflichtlektüre in Schulen und Hochschulen sein, es sollte breit in der Gesellschaft diskutiert werden. Das darf aber nicht das Ende des bürgerlichen Engagements sein, sondern nur der Anfang. Wir müssen ins Handeln kommen, um den Menschenfeinden und Besitzstandswahrern nicht das Feld zu überlassen. Kosserts Buch kommt zur richtigen Zeit. Nun ist es an uns, zu Lesen, zu Denken, zu Reden und zu Handeln!

Mehr Informationen inklusive Leseprobe gibt es direkt bei Siedler.

Zum Verständnis von Gruppenkonflikten insbesondere im Zusammenhang mit Nationalismus, Chauvinismus, Rassismus und anderen Superioritäten siehe Norbert Elias und John L. Scotson. Etablierte und Außenseiter. Sowie in Bezug auf die Besonderheiten der deutschen Geschichte Norbert Elias. Studien über die Deutschen.

Der Originalbeitrag von Sascha Thoma ist auf Koreander erschienen.


Anne Spitzner, Literaturlärm

Youtuberin Anne Spitzner (Literaturlärm) hat sich von Zitaten aus „Flucht“ zu Zeichnungen, Collagen und Lettering inspirieren lassen:

Zitate aus & Impressionen zu „Flucht“ von Andreas Kossert

Mehr über das Buch


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